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Analyse

Ausschreibungen in Zahlen 2026: Fristen, Nachweise, Zuschlag und Portale im Vergleich

Wir haben alle Ausschreibungen eines Jahres aus dem Bekanntmachungsservice des Bundes ausgewertet: Fristen, Nachweise, Mindestanforderungen, Zuschlagskriterien, Lose, Vergabeportale und die größten Auftraggeber.

Mehr als die Hälfte aller Ausschreibungen (56 %) wird nur national bekanntgemacht, und dort bleiben bei jeder siebten höchstens zwei Wochen bis zur Abgabe. Am letzten Tag ist meist schon am Vormittag Schluss: Bei drei von vier Verfahren endet die Frist vor 12 Uhr. Wer IT-Leistungen anbietet, muss Ausschreibungen bis zur Abgabe im Blick behalten, denn fast jede dritte EU-weite IT-Ausschreibung wird nachträglich geändert. Und die Auftraggeber sind verstreut: Von rund 17.600 Vergabestellen schreiben 41 % im ganzen Jahr nur ein einziges Verfahren aus.

Kasimir Friederich ·

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Ablauf der Auswertung: Quelle sind die Open-Data-Tagesexporte des Bekanntmachungsservice des Bundes vom 22.10.2025 bis 21.10.2026. Daraus 161.847 Vergabeverfahren, 71.641 EU-weit und 90.206 national. Ausgewertet über strukturierte Felder, Textsuche und CPV-Codes für 9 Branchen. Ergebnisse zu Angebotsfristen, Nachweisen, Mindestanforderungen, Zuschlagskriterien, Losen, Vergabeportalen, Bindefrist und nachträglichen Änderungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei nationalen Ausschreibungen bleiben im Median 22 Tage bis zur Abgabe, bei 44 % sind es drei Wochen oder weniger.
  • 80 % der EU-weiten Ausschreibungen verlangen Referenzen, meist drei Stück aus den letzten drei oder fünf Jahren.
  • 61 % der EU-weiten Ausschreibungen werden allein nach dem Preis vergeben, im Bau 94 %, bei Beratungsleistungen 12 %.
  • Fast jede fünfte EU-weite Ausschreibung wird nach der ersten Bekanntmachung noch geändert.
  • Die Verfahren laufen über 335 verschiedene Vergabeportale, selbst die zehn größten decken nur 64 % ab.

Wie viel Zeit bleibt für ein Angebot? Welche Nachweise muss man vorlegen, und wie hoch liegen die Hürden bei Referenzen, Versicherung und Umsatz? Wie oft entscheidet nur der Preis? Und wer schreibt eigentlich am meisten aus? Wir haben alle 161.847 Vergabeverfahren ausgewertet, die zwischen dem 22. Oktober 2025 und dem 21. Oktober 2026 im Bekanntmachungsservice des Bundes erschienen sind. Was einzelne Branchen im Detail verlangen, steht auf den Branchenseiten; hier geht es um das Gesamtbild.

Wie viele öffentliche Ausschreibungen gibt es?

In zwölf Monaten erschienen 161.847 neue Vergabeverfahren, im Schnitt rund 13.500 im Monat. 71.641 davon (44 %) waren EU-weit ausgeschrieben, 90.206 (56 %) national. Die meisten Verfahren kamen im März, die wenigsten zum Jahreswechsel.

Ausschreibungen je Monat

Neue Vergabeverfahren nach Monat der ersten Bekanntmachung

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • EU-weit
  • national
Neue Vergabeverfahren je Monat, EU-weit und national
MonatEU-weitnational
Nov. 255.3747.821
Dez. 255.0516.132
Jan. 264.9606.449
Feb. 265.7347.388
März 266.9838.550
Apr. 266.0628.070
Mai 266.1437.804
Juni 265.7827.498
Juli 266.6078.414
Aug. 265.8936.554
Sep. 265.8637.216
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, 161.847 Verfahren

Bei den EU-weiten Verfahren schreiben vor allem die Kommunen aus: Auf Städte, Gemeinden, Landkreise und ihre Körperschaften entfallen 46 %, auf Behörden und Einrichtungen der Länder 18 %, auf öffentliche Unternehmen 14 % und auf Behörden und Einrichtungen des Bundes 9 %.

Wer schreibt am meisten aus?

Der Markt ist kleinteilig. In den Bekanntmachungen tauchen rund 17.600 verschiedene Namen von Vergabestellen auf, 41 % davon nur bei einem einzigen Verfahren im ganzen Jahr. Selbst die zehn größten Auftraggeber kommen zusammen nur auf 9 % aller Verfahren.

Ganz oben stehen die Bundesbetriebe für Infrastruktur und Bau: Die Autobahn GmbH des Bundes mit 3.335 Verfahren, die Deutsche Bahn mit 2.099 und die Bundesagentur für Arbeit mit 2.029, die ihre Arbeitsmarktmaßnahmen über regionale Einkaufszentren vergibt. Unter den ersten zehn sind außerdem die Bauverwaltungen von Sachsen, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen, die Fraunhofer-Gesellschaft und die Bundeswehr.

Die 15 Auftraggeber mit den meisten Ausschreibungen

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

AuftraggeberVerfahrendavon EU-weit
Die Autobahn GmbH des Bundes3.3351.285
Deutsche Bahn2.0991.654
Bundesagentur für Arbeit2.0291.208
Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement1.401437
Fraunhofer-Gesellschaft1.252655
Vermögens- und Hochbauverwaltung Baden-Württemberg1.1670
Bundeswehr1.048776
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein1.035226
Staatliches Baumanagement Niedersachsen1.007215
Landeshauptstadt München891682
Landeshauptstadt Dresden845198
Berliner Wasserbetriebe757143
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)722266
Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes657193
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben590421
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung. Niederlassungen, Ämter und Schreibweisen derselben Organisation sind zusammengefasst (etwa alle Niederlassungen der Autobahn GmbH oder alle Regionalen Einkaufszentren der Bundesagentur für Arbeit).

Wie lang ist die Angebotsfrist?

Bei den nationalen Ausschreibungen, die zwischen dem 22. Oktober 2025 und dem 21. Oktober 2026 erschienen sind, blieben im Median 22 Tage von der ersten Bekanntmachung bis zum Ende der Angebotsfrist. 44 % lassen drei Wochen oder weniger Zeit, 15 % höchstens zwei Wochen.

  • 33 TageAngebotsfrist bei EU-weiten Ausschreibungen (Median)
  • 22 TageAngebotsfrist bei nationalen Ausschreibungen (Median)
  • 44 %der nationalen Ausschreibungen lassen höchstens drei Wochen Zeit

EU-weite Verfahren liegen dicht beieinander: Die Hälfte hat eine Frist zwischen 31 und 36 Tagen. Das ist nah an der Untergrenze der Vergabeverordnung. Im offenen Verfahren gelten dort mindestens 35 Tage ab Absendung der Bekanntmachung[1], fünf Tage weniger, wenn die Vergabestelle Angebote elektronisch annimmt.[2] Nur im Dezember gaben die Vergabestellen mehr Zeit, der Median stieg dort auf 39 Tage.

Bei nationalen Ausschreibungen hängt die Frist stärker von der Branche ab. Bei IT-Leistungen bleiben in mehr als der Hälfte der Fälle drei Wochen oder weniger, bei Bildungs- und Gesundheitsleistungen nur in jedem zehnten Fall.

Nationale Ausschreibungen mit höchstens drei Wochen Angebotsfrist

Anteil je Branche, gezählt ab der ersten Bekanntmachung

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • IT und Digitalisierung54 %
  • Beratung und Agenturen50 %
  • Hersteller und Produzenten48 %
  • Händler und Wiederverkäufer46 %
  • Architektur und Ingenieurbüros45 %
  • Bau und Bauprodukte44 %
  • Energie und Netze40 %
  • Gebäude- und Kommunaldienste27 %
  • Bildung und Gesundheit10 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, nationale Verfahren mit Branchenzuordnung

An welchem Tag und um wie viel Uhr endet die Frist?

Die meisten Fristen enden am Dienstag (29 %), die wenigsten am Freitag (12 %). Am Wochenende endet praktisch keine.

An welchem Wochentag die Angebotsfrist endet

Anteil aller Verfahren mit Angebotsfrist

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • Montag19 %
  • Dienstag29 %
  • Mittwoch18 %
  • Donnerstag22 %
  • Freitag12 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, alle Verfahren

Auch die Uhrzeit ist fast immer der Vormittag: Bei 32 % aller Verfahren endet die Frist um genau 10 Uhr, bei 51 % zwischen 10 und 12 Uhr und bei 24 % schon vor 10 Uhr. Nur 3 % lassen bis 23:59 Uhr Zeit. Wer am letzten Tag noch an seinem Angebot arbeiten will, hat also meist nur den frühen Morgen.

Um wie viel Uhr die Angebotsfrist endet

Anteil der 141.205 Verfahren mit Uhrzeit in der Bekanntmachung

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • vor 10 Uhr24 %
  • 10 bis 11:59 Uhr51 %
  • 12 bis 14:59 Uhr19 %
  • ab 15 Uhr2 %
  • 23:59 Uhr (Tagesende)3 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, alle Verfahren

Wie lange sind Bieter an ihr Angebot gebunden?

Bei EU-weiten Ausschreibungen sind Bieter im Median 60 Tage an ihr Angebot gebunden, gerechnet ab dem Ende der Angebotsfrist. Diese Bindefrist nennen 76 % der EU-weiten Verfahren in der Bekanntmachung, bei nationalen Verfahren steht sie fast nie darin (0,6 %).

Für Bauleistungen sieht die VOB/A bei EU-weiten Verfahren regelmäßig 60 Kalendertage vor, länger nur in begründeten Fällen.[3] Daran halten sich die Vergabestellen meist: Nur 16 % der EU-weiten Bauausschreibungen binden länger. Für Liefer- und Dienstleistungen gibt es keine feste Grenze, dort sind es 33 %, bei Beratungsleistungen 44 %.

EU-weite Ausschreibungen, die Bieter länger als 60 Tage an ihr Angebot binden

Anteil je Branche an den Verfahren, die eine Bindefrist nennen

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • Beratung und Agenturen44 %
  • Gebäude- und Kommunaldienste40 %
  • Händler und Wiederverkäufer36 %
  • Bildung und Gesundheit35 %
  • IT und Digitalisierung34 %
  • Hersteller und Produzenten32 %
  • Architektur und Ingenieurbüros26 %
  • Energie und Netze21 %
  • Bau und Bauprodukte16 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, EU-weite Verfahren

Über alle Branchen bindet jede vierte EU-weite Ausschreibung (25 %) länger als 60 Tage, 7 % länger als 90 Tage. Wer kalkuliert, sollte deshalb vorab prüfen, bis zu welchem Tag die angebotenen Preise halten müssen. Was die Vergabeordnungen im Einzelnen vorgeben und was gilt, wenn die Frist abläuft, steht in unserem Artikel zur Bindefrist.

Wie oft werden Ausschreibungen nachträglich geändert?

18,5 % der EU-weiten Verfahren wurden nach der ersten Bekanntmachung noch geändert: per Berichtigung oder mit einer neuen Bekanntmachung im selben Verfahren. 5 % wurden sogar zweimal oder öfter geändert. Bei nationalen Verfahren sind es in der Bekanntmachung nur 1,8 %.

EU-weite Ausschreibungen, die nach der ersten Bekanntmachung geändert wurden

Anteil je Branche: Berichtigung oder neue Bekanntmachung im selben Verfahren

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • IT und Digitalisierung33 %
  • Händler und Wiederverkäufer23 %
  • Beratung und Agenturen22 %
  • Hersteller und Produzenten20 %
  • Architektur und Ingenieurbüros20 %
  • Gebäude- und Kommunaldienste17 %
  • Bau und Bauprodukte17 %
  • Energie und Netze14 %
  • Bildung und Gesundheit13 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, EU-weite Verfahren

Am häufigsten ändern sich IT-Ausschreibungen: Fast jede dritte wird nachträglich angepasst. Für Bieter heißt das: Wer sich eine Ausschreibung vormerkt, muss sie bis zur Abgabe im Blick behalten, sonst arbeitet er mit veralteten Unterlagen oder einer falschen Frist.

Welche Nachweise verlangen öffentliche Ausschreibungen?

Grundlage sind die 61.310 EU-weiten Verfahren, die ihre Eignungskriterien in der Bekanntmachung nennen. Am häufigsten verlangt werden Referenzen (80 %), ein Auszug aus dem Handels- oder Berufsregister (63 %) und Angaben zum Umsatz (61 %).

Was EU-weite Ausschreibungen in der Bekanntmachung verlangen

Anteil der 61.310 EU-weiten Verfahren, die Eignungskriterien in der Bekanntmachung nennen

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • Referenzen80 %
  • Handels- oder Berufsregister63 %
  • Umsatzangaben61 %
  • Angaben zu Nachunternehmern55 %
  • Regeln für Bietergemeinschaften48 %
  • Haftpflichtversicherung45 %
  • Zahl der Beschäftigten45 %
  • Russland-Sanktionserklärung40 %
  • Unbedenklichkeit (Finanzamt, Sozialkassen)36 %
  • Eigenerklärung zur Eignung32 %
  • Präqualifikation31 %
  • Formblatt 12421 %
  • Tariftreue-Erklärung19 %
  • Wettbewerbsregister13 %
  • Mindestlohn-Erklärung13 %
  • Freistellungsbescheinigung § 48b EStG13 %
  • Mindestumsatz12 %
  • Konzepte11 %
  • ISO 90016 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, Textsuche in den Eignungskriterien; Werte sind Untergrenzen, was nur in den Vergabeunterlagen steht, fehlt

Auffällig ist die Russland-Sanktionserklärung: 40 % der Verfahren verlangen sie ausdrücklich, in allen Branchen zwischen 22 % (Bildung und Gesundheit) und 49 % (Planer). Eine Präqualifikation fordern 31 %, eine Tariftreue-Erklärung 19 %. Zertifikate spielen dagegen kaum eine Rolle: ISO 9001 wird nur in 6 % der Bekanntmachungen genannt.

Alle Werte sind Untergrenzen. Viele Vergabestellen nennen in der Bekanntmachung nur die wichtigsten Nachweise und verweisen für den Rest auf die Vergabeunterlagen.

Wie hoch sind die Mindestanforderungen?

Wo die Bekanntmachung konkrete Zahlen nennt, lassen sich die üblichen Hürden ablesen. Ausgewertet sind die EU-weiten Verfahren. Daran können Sie vorab prüfen, ob Ihr Unternehmen die Eignung erfüllt.

  • 3 Referenzenverlangen 65 % der Verfahren, die eine Anzahl nennen
  • 3 oder 5 Jahreso alt dürfen die Referenzen meist sein (48 % und 40 %)
  • 2 Mio. €Haftpflicht für Personenschäden (Median)
  • 800.000 €Mindestumsatz, wenn einer gefordert ist (Median)

Referenzen

Drei Referenzen sind der Standard: 65 % der Verfahren, die eine Zahl nennen, verlangen genau drei, 23 % zwei und 6 % nur eine. Fünf oder mehr fordern nur wenige. Beim Zeitraum gibt es zwei Lager: 48 % akzeptieren Referenzen aus den letzten drei Jahren, 40 % aus den letzten fünf. Im Bau und bei Planungsleistungen sind fünf Jahre üblich, in den übrigen Branchen drei.

Haftpflichtversicherung

Die geforderte Deckungssumme für Personenschäden liegt im Median bei 2 Mio. €. Die Spanne ist aber groß: 12 % der Verfahren begnügen sich mit weniger als 1 Mio. €, 42 % verlangen 3 Mio. € oder mehr und 19 % sogar 5 Mio. € oder mehr.

Geforderte Deckungssumme der Haftpflichtversicherung für Personenschäden

Anteil der 14.475 EU-weiten Verfahren, die eine Summe nennen

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • unter 1 Mio. €12 %
  • 1 bis unter 2 Mio. €27 %
  • 2 bis unter 3 Mio. €19 %
  • 3 bis unter 5 Mio. €23 %
  • 5 Mio. € und mehr19 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, EU-weite Verfahren

Mindestumsatz

Einen Mindestumsatz verlangen nur 12 % der Verfahren. Wo er gefordert ist, liegt er im Median bei 800.000 € im Jahr. Auch hier ist die Spanne groß: 19 % verlangen weniger als 250.000 €, 30 % mindestens 2 Mio. €.

Geforderter Mindestumsatz

Anteil der 5.191 EU-weiten Verfahren, die einen Mindestumsatz in Euro nennen

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • unter 250.000 €19 %
  • 250.000 bis unter 500.000 €15 %
  • 500.000 bis unter 1 Mio. €19 %
  • 1 bis unter 2 Mio. €16 %
  • 2 Mio. € und mehr30 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, EU-weite Verfahren

Je Branche unterscheiden sich die Werte deutlich. Im Bau liegt die Haftpflicht im Median bei 2,5 Mio. € und der Mindestumsatz bei 1,4 Mio. €, bei Gebäudediensten, Handel und Planern dagegen bei 400.000 bis 500.000 €.

Typische Mindestanforderungen je Branche

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

BrancheReferenzenaus den letztenHaftpflicht (Personenschäden)Mindestumsatz
Architektur und Ingenieurbüros25 Jahren2 Mio. €400.000 €
Bau und Bauprodukte35 Jahren2,5 Mio. €1,4 Mio. €
Gebäude- und Kommunaldienste33 Jahren2 Mio. €500.000 €
IT und Digitalisierung33 Jahren2 Mio. €1 Mio. €
Hersteller und Produzenten33 Jahren2 Mio. €1 Mio. €
Bildung und Gesundheit33 Jahren3 Mio. €500.000 €
Beratung und Agenturen33 Jahren2 Mio. €530.000 €
Energie und Netze33 Jahren3 Mio. €2 Mio. €
Händler und Wiederverkäufer33 Jahren2 Mio. €400.000 €
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung. Median der EU-weiten Verfahren, die den jeweiligen Wert in der Bekanntmachung nennen; Mindestumsatz nur, wo er als Untergrenze gefordert ist.

Zählt der Preis oder die Qualität?

Bei 61 % der EU-weiten Ausschreibungen von Oktober 2025 bis Oktober 2026 zählt allein der Preis. Grundlage sind die 72 % der Verfahren, die ihre Zuschlagskriterien in der Bekanntmachung nennen. Erlaubt wäre mehr: Neben dem Preis können Vergabestellen auch Qualität, Umwelt- und Sozialkriterien werten.[4]

EU-weite Ausschreibungen, die allein nach dem Preis vergeben werden

Anteil an den Verfahren, die ihre Zuschlagskriterien in der Bekanntmachung nennen

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • Bau und Bauprodukte94 %
  • Energie und Netze81 %
  • Händler und Wiederverkäufer58 %
  • Gebäude- und Kommunaldienste54 %
  • IT und Digitalisierung46 %
  • Hersteller und Produzenten43 %
  • Bildung und Gesundheit26 %
  • Architektur und Ingenieurbüros18 %
  • Beratung und Agenturen12 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, EU-weite Verfahren

Der Unterschied zwischen den Branchen ist groß. Im Bau entscheidet in 94 % der Verfahren nur der Preis, bei Energie in 81 %. Bei Planungs- und Ingenieurleistungen sind es 18 %, bei Beratung 12 %. Wo dort gewichtet wird, macht der Preis im Median nur 38 % (Planer) beziehungsweise 40 % (Beratung) der Wertung aus, den Rest entscheiden Konzept, Personal und Qualität.

Auch die Art der Vergabestelle spielt eine Rolle: Kommunen vergeben in 64 % der Fälle nur nach Preis, Behörden des Bundes und öffentliche Unternehmen in 55 %.

Für nationale Ausschreibungen lässt sich das nicht auswerten: Nur 0,6 % nennen ihre Zuschlagskriterien in der Bekanntmachung.

Offenes Verfahren oder Teilnahmewettbewerb?

81 % der EU-weiten Verfahren sind offene Verfahren: Jedes Unternehmen kann direkt ein Angebot abgeben. 19 % laufen zweistufig, fast alle als Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb. Dort bewerben Sie sich zuerst mit Eignungsnachweisen und Referenzen, und nur die ausgewählten Bewerber geben danach ein Angebot ab.

EU-weite Ausschreibungen mit Teilnahmewettbewerb oder Verhandlung

Anteil je Branche: nicht offenes Verfahren, Verhandlungsverfahren, wettbewerblicher Dialog

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • Architektur und Ingenieurbüros63 %
  • Beratung und Agenturen33 %
  • Energie und Netze26 %
  • IT und Digitalisierung25 %
  • Bildung und Gesundheit11 %
  • Hersteller und Produzenten9 %
  • Gebäude- und Kommunaldienste7 %
  • Bau und Bauprodukte6 %
  • Händler und Wiederverkäufer5 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, EU-weite Verfahren

Bei Planungsleistungen ist das zweistufige Verfahren die Regel (63 %), bei Beratung und IT betrifft es jedes dritte bis vierte Verfahren. Im Bau, bei Gebäudediensten und im Handel kommt es kaum vor. Das passt zum Zuschlag: Wo Konzept und Personal zählen, wählen die Vergabestellen ihre Bieter vorher aus.

Lose und Bietergemeinschaften: Wo kleinere Anbieter zum Zug kommen

15 % der EU-weiten Ausschreibungen sind in mehrere Lose geteilt, im Median in drei. Ein Unternehmen kann sich dann auf einzelne Lose bewerben, etwa auf eine Region oder eine Leistung, statt den ganzen Auftrag stemmen zu müssen.

EU-weite Ausschreibungen, die in mehrere Lose geteilt sind

Anteil je Branche

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • Händler und Wiederverkäufer39 %
  • Gebäude- und Kommunaldienste39 %
  • Hersteller und Produzenten32 %
  • Bildung und Gesundheit22 %
  • Energie und Netze19 %
  • Beratung und Agenturen16 %
  • IT und Digitalisierung13 %
  • Architektur und Ingenieurbüros11 %
  • Bau und Bauprodukte3 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, EU-weite Verfahren

Am häufigsten geteilt werden Aufträge im Handel und bei Gebäudediensten (je 39 %) sowie bei Herstellern (32 %). Im Bau sind es nur 3 %.

Dazu kommen Kooperationen: 55 % der Verfahren mit Eignungskriterien machen in der Bekanntmachung Angaben zu Nachunternehmern, 48 % zu Bietergemeinschaften. Wer allein nicht alle Anforderungen erfüllt, sollte deshalb prüfen, ob er gemeinsam mit Partnern bieten kann. Die genauen Bedingungen stehen in den Vergabeunterlagen.

Über wie viele Vergabeportale laufen die Ausschreibungen?

Die 161.847 Verfahren aus zwölf Monaten (22. Oktober 2025 bis 21. Oktober 2026) liefen über 335 verschiedene Vergabeportale. Gezählt haben wir die Adresse, über die Unterlagen abgerufen oder Angebote abgegeben werden.

Wie sich die Ausschreibungen auf die Vergabeportale verteilen

Anteil aller Verfahren, der über die größten Portale läuft

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

Die zehn größten Vergabeportale decken 64 % der Verfahren ab, die 18 größten 80 %. Die übrigen 317 Portale teilen sich den Rest.

Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, 161.847 Verfahren, Portal laut Abgabe- oder Unterlagen-Adresse

Die zehn größten Portale decken zusammen 64 % der Verfahren ab, für 80 % braucht man 18. Den Rest teilen sich mehr als 300 kleinere Portale von Ländern, Städten, Kliniken, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Unternehmen. Wer nur ein oder zwei Portale beobachtet, sieht also nur einen Teil des Marktes. In Nordrhein-Westfalen liefen die Verfahren über 87 verschiedene Portale, im Saarland über 25.

Was die Bundesländer unterschiedlich verlangen

Ob eine Ausschreibung eine Tariftreue-Erklärung verlangt, hängt stark vom Bundesland ab. Im Saarland, in Berlin und in Hessen fordern sie mehr als ein Drittel der EU-weiten Verfahren, in Bayern, Schleswig-Holstein und Sachsen weniger als 6 %.

EU-weite Ausschreibungen, die eine Tariftreue-Erklärung verlangen

Anteil je Bundesland (Ort der Ausführung) an den Verfahren mit Eignungskriterien in der Bekanntmachung

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

  • Saarland42 %
  • Berlin40 %
  • Hessen36 %
  • Thüringen29 %
  • Rheinland-Pfalz28 %
  • Niedersachsen25 %
  • Baden-Württemberg24 %
  • Mecklenburg-Vorpommern22 %
  • Brandenburg20 %
  • Nordrhein-Westfalen18 %
  • Sachsen-Anhalt17 %
  • Bremen16 %
  • Hamburg14 %
  • Sachsen6 %
  • Schleswig-Holstein5 %
  • Bayern2 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung, EU-weite Verfahren

Auch bei der Präqualifikation gibt es Unterschiede: Am häufigsten verlangen sie die Vergabestellen in Sachsen-Anhalt (42 % der EU-weiten Verfahren mit Eignungskriterien), am seltensten in Bremen (11 %).

Die Bundesländer im Überblick

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

BundeslandVerfahrendavon EU-weitFrist national (Median)Tariftreue (EU)Präqualifikation (EU)ohne Eignungskriterien
Baden-Württemberg13.60961 %27 Tage24 %28 %55 %
Bayern19.16566 %26 Tage2 %34 %43 %
Berlin7.29356 %21 Tage40 %27 %54 %
Brandenburg8.16633 %21 Tage20 %33 %70 %
Bremen73664 %22 Tage16 %11 %29 %
Hamburg2.96878 %22 Tage14 %25 %38 %
Hessen8.85659 %22 Tage36 %37 %53 %
Mecklenburg-Vorpommern4.82139 %21 Tage22 %30 %67 %
Niedersachsen16.21837 %22 Tage25 %38 %68 %
Nordrhein-Westfalen26.67450 %23 Tage18 %22 %55 %
Rheinland-Pfalz8.37640 %22 Tage28 %32 %66 %
Saarland1.58348 %21 Tage42 %20 %68 %
Sachsen13.12428 %21 Tage6 %40 %81 %
Sachsen-Anhalt5.33843 %21 Tage17 %42 %65 %
Schleswig-Holstein4.54251 %21 Tage5 %26 %58 %
Thüringen3.89846 %23 Tage29 %39 %60 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung. Bundesland nach Ort der Ausführung, sonst Sitz der Vergabestelle. Tariftreue und Präqualifikation: Anteil an den EU-weiten Verfahren, die Eignungskriterien in der Bekanntmachung nennen. „Ohne Eignungskriterien“: Anteil aller Verfahren.

Wie viel steht überhaupt in der Bekanntmachung?

92 % der nationalen Bekanntmachungen nennen keine Eignungskriterien. Bei EU-weiten Verfahren sind es 17 %. Welche Referenzen, Umsätze, Versicherungen und Erklärungen verlangt werden, steht dann nur in den Vergabeunterlagen.

Für Bieter heißt das: Ob sich eine Ausschreibung lohnt, zeigt sich oft erst, nachdem man die Unterlagen heruntergeladen und gelesen hat. Tenpal liest die Vergabeunterlagen und stellt die Muss- und Kann-Kriterien jeder Ausschreibung auf einen Blick zusammen.

Die Branchen im Vergleich

Die Tabelle zeigt die wichtigsten Werte je Branche. Welche Nachweise und Formblätter in den Ausschreibungen einer Branche verlangt werden, steht ausführlich auf der jeweiligen Branchenseite.

Die Branchen im Vergleich

Zeitraum: 22.10.2025 bis 21.10.2026

BrancheVerfahrenFrist EU (Median)Frist national (Median)nur Preis (EU)
Bau und Bauprodukte26.02934 Tage23 Tage94 %
Architektur und Ingenieurbüros7.77532 Tage23 Tage18 %
Hersteller und Produzenten7.34233 Tage22 Tage43 %
Gebäude- und Kommunaldienste5.67334 Tage28 Tage54 %
IT und Digitalisierung4.88732 Tage21 Tage46 %
Bildung und Gesundheit2.79233 Tage31 Tage26 %
Energie und Netze1.66433 Tage23 Tage81 %
Beratung und Agenturen1.51332 Tage22 Tage12 %
Händler und Wiederverkäufer1.17533 Tage22 Tage58 %
Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), eigene Auswertung. Branche nach CPV-Codes wie auf den Branchenseiten; ein Verfahren kann zu mehreren Branchen gehören. „Nur Preis“: Anteil an den EU-weiten Verfahren, die ihre Zuschlagskriterien in der Bekanntmachung nennen.

Methodik

Zeitraum
22.10.2025 bis 21.10.2026
Vorgehen
Alle 161.847 Vergabeverfahren mit Auftragsbekanntmachung im Bekanntmachungsservice des Bundes, je Verfahren die letzte Fassung. Fristen ab der ersten Bekanntmachung; Zuschlagskriterien, Verfahrensart, Lose, Ort, Portal und Vergabestelle aus den strukturierten eForms-Feldern, die Bindefrist aus dem Feld BT-98; Eignungskriterien und Mindestanforderungen per Textsuche. Die Branchenzuordnung über CPV-Codes trifft vor allem EU-weite Verfahren, weil nationale Bekanntmachungen oft nur grobe Codes tragen.
Datenquelle
Bekanntmachungsservice des Bundes, Open-Data-Tagesexporte (eForms), CC0

So zitieren Sie diese Analyse

Tenpal: Ausschreibungen in Zahlen 2026: Fristen, Nachweise, Zuschlag und Portale im Vergleich. Stand 26. Oktober 2026. tenpal.de/analysen/oeffentliche-ausschreibungen-zahlen-2026

Häufige Fragen

Bei EU-weiten Ausschreibungen lag die Angebotsfrist in unserer Auswertung im Median bei 33 Tagen, bei nationalen bei 22 Tagen. 44 % der nationalen Ausschreibungen ließen drei Wochen oder weniger Zeit. Gezählt ist ab der ersten Bekanntmachung bis zum Ende der Angebotsfrist.

Meist drei. Von den EU-weiten Ausschreibungen, die eine Zahl nennen, verlangen 65 % drei Referenzen und 23 % zwei. Die Referenzen müssen in der Regel aus den letzten drei oder fünf Jahren stammen.

Das legt jede Vergabestelle selbst fest. In unserer Auswertung lag die geforderte Deckungssumme für Personenschäden im Median bei 2 Mio. €, im Bau bei 2,5 Mio. €. Rund 42 % der Verfahren verlangen 3 Mio. € oder mehr.

Bis zum Ende der Bindefrist, die mit dem Ablauf der Angebotsfrist beginnt. Bei EU-weiten Ausschreibungen lag sie in unserer Auswertung im Median bei 60 Tagen, jede vierte band Bieter länger. Für EU-weite Bauvergaben sieht die VOB/A regelmäßig 60 Kalendertage vor.

Bei 61 % der EU-weiten Ausschreibungen, die ihre Zuschlagskriterien nennen, zählt allein der Preis. Wie stark Qualität ins Gewicht fällt, hängt von der Branche ab: im Bau fast nie, bei Planungs- und Beratungsleistungen fast immer.

Die 161.847 Verfahren unserer Auswertung liefen über 335 verschiedene Portal-Adressen. Für 80 % der Verfahren braucht man die 18 größten, der Rest verteilt sich auf viele kleine Portale von Ländern, Städten und einzelnen Vergabestellen.

Aus den Open-Data-Tagesexporten des Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de) vom 22. Oktober 2025 bis zum 21. Oktober 2026. Ausgewertet sind die Angaben in den Bekanntmachungen, nicht die Vergabeunterlagen.

Quellen

4 wörtliche Zitate mit Fundstelle anzeigen
  1. [1]
    „Die Frist für den Eingang der Angebote (Angebotsfrist) beträgt mindestens 35 Tage, gerechnet ab dem Tag nach der Absendung der Auftragsbekanntmachung.“

    Vergabeverordnung, § 15 Abs. 2 VgV

  2. [2]
    „Der öffentliche Auftraggeber kann die Frist gemäß Absatz 2 um fünf Tage verkürzen, wenn er die elektronische Übermittlung der Angebote akzeptiert.“

    Vergabeverordnung, § 15 Abs. 4 VgV

  3. [3]
    „Die Bindefrist beträgt regelmäßig 60 Kalendertage. In begründeten Fällen kann der öffentliche Auftraggeber eine längere Frist festlegen.“

    VOB/A 2019, § 10a EU Abs. 8 Satz 3 und 4 VOB/A

  4. [4]
    „Neben dem Preis oder den Kosten können auch qualitative, umweltbezogene oder soziale Zuschlagskriterien berücksichtigt werden“

    Vergabeverordnung, § 58 Abs. 2 Satz 2 VgV

Über den Autor

Kasimir Friederich

Gründer von Tenpal

Kasimir hat Tenpal gegründet und spricht jede Woche mit Mittelständlern, die sich auf öffentliche Ausschreibungen bewerben. Er wertet Vergabedaten aus und schreibt darüber, was Bieter in der Praxis brauchen.

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