- 20.000 €Auftragswert netto je Fachlos, ab dem die Pflicht greift[1]
- 24.12.2026letzter Tag, an dem noch eine Verpflichtungserklärung reicht[8]
- 3 Jahreso lange gilt die Präqualifikation Tarif[17]
Das Wichtigste in Kürze
- Wer in Hessen öffentliche Bauaufträge über 20.000 Euro netto ausführt, muss die Tariftreue über die Präqualifikation Tarif nachweisen, auch bei Direktaufträgen.
- Bis zum 24. Dezember 2026 reicht noch eine Verpflichtungserklärung. Danach dürfen nur noch präqualifizierte Unternehmen beauftragt werden.
- Die Pflicht gilt auch für Nachunternehmen und Verleihunternehmen.
- Im Baugewerbe müssen Sie mindestens die Lohntabelle der Baugewerbe-Mindestentgelt-Verordnung zahlen, je nach Lohngruppe 15,86 bis 29,72 Euro brutto pro Stunde.
- Beantragt wird bei einer der vier Prüfstellen, die das Wirtschaftsministerium nennt. Die Präqualifikation gilt drei Jahre.
- Die Präqualifikationsnummer geben Sie in jedem Angebot an. Nachweise aus der Präqualifikation darf der Auftraggeber nicht erneut verlangen.
- Bei Verstößen drohen bis zu fünf Prozent Vertragsstrafe je Verstoß und bis zu drei Jahre Ausschluss von den Aufträgen dieses Auftraggebers.
PQ-Tarif ersetzt in Hessen die Verpflichtungserklärung bei Bauleistungen
Bei öffentlichen Bauaufträgen in Hessen ersetzt die Präqualifikation Tarif die bisherige Verpflichtungserklärung zur Tariftreue, bis zum 24. Dezember 2026 gilt noch beides.[8]
Bisher haben Bieter die Tariftreue in Hessen mit einer Verpflichtungserklärung zugesagt. Bei Bauleistungen ersetzt das Land diese Erklärung durch eine vorab geprüfte Präqualifikation: Eine Prüfstelle kontrolliert einmal, ob Ihr Unternehmen die vorgeschriebenen Löhne zahlt, und trägt es in ein Verzeichnis ein. Sie erhalten eine Präqualifikationsnummer Tarif, die Sie bei Aufträgen angeben.[8]
Die Pflicht gilt ab einem geschätzten Auftragswert von 20.000 Euro ohne Umsatzsteuer je Fachlos.[1] Sie greift bei Direktaufträgen genauso wie in Vergabeverfahren unterhalb und oberhalb der EU-Schwelle.[2]
So verlangen Vergabestellen in Hessen den PQ-Tarif schon heute
Vergabestellen in Hessen fragen den PQ-Tarif schon jetzt in laufenden Bauausschreibungen ab, vom Rohbau über Fenster bis zur Photovoltaik.
Von 840 Bauausschreibungen in Hessen, die zwischen dem 25. Juni und dem 21. Oktober 2026 EU-weit bekannt gemacht wurden, nennen 23 den PQ-Tarif schon in der Bekanntmachung, davon 12 allein im Oktober. Das ist eine Untergrenze: Meist steht die Pflicht nur in den Vergabeunterlagen, die erst nach dem Download sichtbar sind.
Beispiel 1 von 6
Wer braucht den PQ-Tarif in Hessen?
Den PQ-Tarif braucht jedes Unternehmen, das in Hessen Bauleistungen für öffentliche Aufträge über 20.000 Euro netto erbringt, auch als Nachunternehmen oder Verleihunternehmen.[3]
| Bauleistungen | Liefer- und Dienstleistungen | |
|---|---|---|
| Nachweis der Tariftreue | Präqualifikationsnummer Tarif | Verpflichtungserklärung, wie bisher |
| Gilt auch für Nachunternehmen und Verleihunternehmen | ja | ja, per Verpflichtungserklärung |
Als Hauptauftragnehmer dürfen Sie bei Bauleistungen nur Nachunternehmen einsetzen, die selbst präqualifiziert sind.[19] Die Kette ist begrenzt: Derselbe Leistungsgegenstand darf ab dem beauftragten Unternehmen höchstens zweimal weitergegeben werden.[25] Bevor ein Nachunternehmen mit der Arbeit beginnt, holen Sie die Zustimmung des Auftraggebers ein[26] und nennen dabei dessen Präqualifikationsnummer Tarif.[27]
Nicht betroffen sind Liefer- und Dienstleistungen. Dort bleibt es bei der Verpflichtungserklärung.[5]
Übergangsfrist für den PQ-Tarif endet am 24. Dezember 2026
Bis zum 24. Dezember 2026 können Bauunternehmen in Hessen die Tariftreue noch per Verpflichtungserklärung nachweisen, danach nur noch mit der Präqualifikation Tarif.[8][4] Für Vergabeverfahren, die vor dem 25. Juni 2026 eingeleitet wurden, gilt noch das alte Recht.[24]
- 24. Juni 2026Gesetz verkündetDas neue HVTG gilt ab dem Tag danach.[6]
- ab 25. Juni 2026ÜbergangszeitVerpflichtungserklärung oder Präqualifikation, Sie haben die Wahl.[7]
- 23. September 2026Mindestentgelt BauDie Verordnung legt fest, welcher Lohn mindestens zu zahlen ist.[23]
- 24. Dezember 2026Übergangsfrist endetDanach nur noch mit Präqualifikation Tarif.[8][4]
PQ-Tarif in fünf Schritten beantragen
Den PQ-Tarif beantragen Bauunternehmen in Textform bei einer von vier Prüfstellen, die das Hessische Wirtschaftsministerium nennt.[11][9] Es sind die Präqualifizierungsstellen des Vereins für Präqualifikation von Bauunternehmen.[10]
| Prüfstelle | Sitz | Website |
|---|---|---|
| DQB Deutsche Gesellschaft für Qualifizierung und Bewertung GmbH | Wiesbaden | pq-tariftreue.de |
| DVGW CERT GmbH | Bonn | dvgw-cert.com |
| VMC Präqualifikation GmbH | Wien | praequalifikationbau.de |
| Zertifizierung Bau GmbH | Berlin | zert-bau.de |
Prüfstelle wählen
Eine der vier Stellen aus der Tabelle. Antragsmodalitäten und Formulare stehen auf deren Websites.[9]Antragsformular holen
Den Antrag stellen Sie in Textform, das Formular finden Sie auf der Website der Prüfstelle.[11]Unterlagen beilegen
Prüfung bezahlen
Die Prüfstelle berechnet die Prüfung nach ihrem Aufwand.[15]Nummer erhalten
Ändert sich danach etwas an Ihrer Tarifbindung oder an den gezahlten Löhnen, müssen Sie das der Prüfstelle unverzüglich melden.[18]
Welcher Mindestlohn gilt für den PQ-Tarif im Baugewerbe?
Für den PQ-Tarif im hessischen Baugewerbe gilt die Baugewerbe-Mindestentgelt-Verordnung: Bei öffentlichen Bauaufträgen müssen Bauunternehmen je nach Lohngruppe mindestens 15,86 Euro bis 29,72 Euro brutto pro Stunde zahlen.[45][46]
Die Verordnung gilt seit dem 23. September 2026.[23] Sie übernimmt die Lohntabelle für das Baugewerbe in Hessen, die seit dem 1. April 2024 gilt.[50] Das Mindestentgelt ist der Gesamttarifstundenlohn, also der Tarifstundenlohn plus Bauzuschlag.[48] In welche Lohngruppe ein Beschäftigter gehört, richtet sich nach dem Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe.[49]
| Lohngruppe | Tätigkeit | Tarifstundenlohn | Bauzuschlag | Mindestentgelt pro Stunde |
|---|---|---|---|---|
| 6 | Werkpoliere, Baumaschinen-Fachmeister | 28,06 € | 1,66 € | 29,72 € |
| 5 | Vorarbeiter, Baumaschinen-Vorarbeiter | 25,77 € | 1,52 € | 27,29 € |
| 4 | Spezialfacharbeiter, Baumaschinenführer | 24,60 € | 1,45 € | 26,05 € |
| 4 | Fliesen-, Platten- und Mosaikleger | 25,34 € | 1,50 € | 26,84 € |
| 4 | Stuckateur und Gipser | 25,34 € | 1,50 € | 26,84 € |
| 4 | Baumaschinenführer | 24,98 € | 1,47 € | 26,45 € |
| 3 | Facharbeiter, Baugeräteführer | 22,64 € | 1,33 € | 23,97 € |
| 3 | Berufskraftfahrer | 23,15 € | 1,36 € | 24,51 € |
| 2a | Fachwerker, Maschinisten, Kraftfahrer | 22,10 € | 1,30 € | 23,40 € |
| 2b | Fachwerker, Maschinisten, Kraftfahrer | 20,02 € | 1,18 € | 21,20 € |
| 2 | Fachwerker, Maschinisten, Kraftfahrer | 17,69 € | 1,04 € | 18,73 € |
| 1 | Werker, Maschinenwerker | 14,98 € | 0,88 € | 15,86 € |
Alle Beträge sind Bruttostundenentgelte. Quelle: Anlage zur Baugewerbe-Mindestentgelt-Verordnung, Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen 2026 Nr. 61.[47][45][46]
Tarifgebundene Betriebe: Sind Sie an den Branchentarifvertrag gebunden, auf dem die Verordnung beruht, ist der Nachweis allein mit der Bescheinigung über Ihre Tarifbindung erbracht.[54][12]
Anträge vor dem 23. September 2026: Für Unternehmen, die den PQ-Tarif vor dem 23. September 2026 beantragt haben, gilt die Verordnung während der gesamten Laufzeit ihrer Präqualifikation nicht, also bis zu drei Jahre.[51][17] Ebenso ausgenommen sind Vergabeverfahren, die vor diesem Tag eingeleitet wurden.[52]
Leistungen außerhalb der Verordnung: Die Verordnung erfasst Bauleistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen, insbesondere die Arbeiten aus dem Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe.[53] Greift sie für Ihre Leistung nicht, zahlen Sie mindestens den gesetzlichen Mindestlohn oder den Lohn aus einem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag oder einer Mindestlohnverordnung Ihrer Branche.[55] Den PQ-Tarif brauchen Sie für Bauleistungen über 20.000 Euro trotzdem.[3]
PQ-Tarif: Nachweise einmal vorlegen, drei Jahre nutzen
Mit der Präqualifikation Tarif legen Bauunternehmen in Hessen ihre Lohnnachweise einmal vor: Sie gilt drei Jahre, und Auftraggeber dürfen diese Nachweise nicht erneut anfordern.[17][21]
Die Präqualifikationsnummer geben Sie in jedem Angebot an, nicht erst auf Nachfrage.[20] Der Auftraggeber prüft sie im Verzeichnis des Landes.[22]
Dafür gilt im Gegenzug: Nachweise, die Sie schon für die Präqualifikation erbracht haben, darf der Auftraggeber nicht noch einmal anfordern.[21] Wer regelmäßig in Hessen bietet, legt die Lohnnachweise also einmal für drei Jahre vor statt in jedem Verfahren.
Präqualifizierung in der Vergabe: Tarif und Eignung sind zwei Verfahren
Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge in Hessen gibt es zwei Arten der Präqualifizierung: Die Präqualifizierung Tarif belegt, dass Sie tarifgerecht bezahlen, die Präqualifikation Eignung belegt Ihre Eignung für den Auftrag.[40][41] Wer bereits eine Präqualifikation für die Eignung hat, braucht für Bauleistungen trotzdem zusätzlich die Präqualifizierung Tarif.[3]
| Präqualifizierung Tarif | Präqualifikation Eignung | |
|---|---|---|
| Was sie belegt | Tariftreue und Mindestlohn | Eignung für den Auftrag |
| Pflicht? | ja, bei Bauleistungen über 20.000 Euro netto | nein, Eigenerklärungen reichen grundsätzlich |
| Wo Sie sich eintragen lassen | bei einer der vier Prüfstellen | in einem Präqualifikationsregister, etwa der Auftragsberatungsstelle Hessen, der DIHK Service GmbH oder des Vereins für Präqualifikation von Bauunternehmen |
| Gültigkeit | drei Jahre | Eintrag höchstens drei Jahre alt |
Die Eignung weisen Bieter in Hessen grundsätzlich mit Eigenerklärungen nach.[42] Werden doch Nachweise verlangt, reicht ein Eintrag in einem Präqualifikationsregister[43], der höchstens drei Jahre alt ist.[44] Für beide Verfahren gilt: Nachweise, die Sie dort schon erbracht haben, darf der Auftraggeber nicht erneut anfordern.[21]
Verstöße gegen den PQ-Tarif: bis zu fünf Prozent Vertragsstrafe und Ausschluss
Wer in Hessen gegen die Tariftreuepflichten verstößt, riskiert eine Vertragsstrafe von bis zu fünf Prozent der Abrechnungssumme je Verstoß und einen Ausschluss von den Aufträgen dieses Auftraggebers für bis zu drei Jahre.[33][35]
- 5 %der Abrechnungssumme netto als Vertragsstrafe je schuldhaftem Verstoß[33]
- 10 %höchstens, wenn mehrere Verstöße zusammenkommen[33]
- 3 JahreAusschluss von Aufträgen des Auftraggebers, höchstens[35]
Kontrolliert wird während der Ausführung: Ab Beginn des Auftrags darf der Auftraggeber anlassbezogen, auch unangekündigt, Einsicht in Lohnabrechnungen und andere Geschäftsunterlagen nehmen, auch bei Ihren Nachunternehmen.[32] Bei Dauerschuldverhältnissen, also Verträgen mit laufender Leistung, kann er außerdem fristlos kündigen.[34]
Einen festgestellten Verstoß meldet der Auftraggeber an die Prüfstelle.[36] Die kann daraufhin die Präqualifikation Tarif entziehen.[37] Gegen den Entzug können Sie innerhalb von zwei Wochen in Textform Beschwerde beim hessischen Ministerium einlegen, das für das öffentliche Auftragswesen zuständig ist.[38]
